Sonntag, 11. Dezember 2011

Frauen-WM: Achtelfinale verpasst - 3 Gründe!

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft verpasst nach einer enttäuschenden Vorrunde den Einzug ins Achtelfinale. Zeit genug einen Blick auf drei größere oder auch kleinere Gründe des schlechten Ergebnisses zu werfen:

Tempospiel

Deutschland gelang in den fünf Vorrundenpartien nur 10 Torwürfe aus Tempogegenstößen. Nur Australien hatte mit 7 Torwürfen aus Tempogegenstößen weniger. Deutschland teilt sich in dieser Statistik mit China den vorletzten Platz. Noch dramatischer wirken die Werte im Vergleich mit den Achtelfinalisten. Der Durchschnittswert der Achtelfinalisten bei Torwürfen aus Tempogegenstößen liegt bei 45,25. Erschreckend wenn man bedenkt, dass Würfe aus dem Tempogegenstoß (Trefferquote 76.15%) nach den 7m-Würfen (Trefferquote 80%) die sichersten Tore sind und www.ihf.info keine Tore des erweiterten Gegenstoßes mitzählt. Taktisch gesehen, hatte man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass ein schlüssiges Gegenstoßkonzept vorhanden war. So waren keine klaren Laufwege aus den Abwehrpositonen für die 1. Welle erkennbar. Auslösehandlungen aus der 2. oder 3. Welle wurden kaum gespielt. Wurde schnell gespielt, war dieses meistens mit einer sehr hohen Fehlerquote verbunden. Die daraus folgenden Unsicherheit hatte zur Folge, dass sogar am eigenen 9m-Kreis nach Ballgewinn der Ball hin- und hergepasst wurde.


Anpassungsfähigkeit an Schiedsrichterentscheidungen

Schiedsrichter sind auch taktisch gesehen ein Teil des Handballspiels. Von Mannschaften im Leistungsbereich sollte meiner Meinung nach verlangt werden können, dass diese sich an den Stil der Schiedsrichterentscheidungen anpassen können. Gerade im Bereich der progressiven Bestrafung (gelbe Karte, 2min-Strafe, rote Karte), den 7m-Würfen oder dem Thema "falsche Sperre" werden unterschiedliche Linien gepfiffen die es im eigenen Sinne zu nutzen gilt. Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zeigte eine schlechte Anpassungsfähigkeit an Schiedsrichterentscheidungen, was vor allem in 22 Zeitstrafen zur Geltung kam. In dieser Statistik waren nur Kasachstan (27 2min-Stafen), Kroatien (26 2min-Strafen), Brasilien (25 2min-Strafen) und Tunesien (24 2min-Strafen) schlechter.


Wechselspiel Linksaußen (LA) / Rückraummitte (RM)

Zwischen den LA- und RM-Spielerinnen entwickelte sich über das Turnier eine Wechselspiel, dass von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt war und das Wechseln einer einzelnen Spielerin scheinbar nicht möglich machte.Während Langkeit meiner Meinung nach im Angriff die stärkste deutsche Angriffspielerin auf LA ist, konnte sie am Ende nur noch in Kombination mit Krause (RM) auflaufen. Ursächlich hierfür wird wohl gewesen sein, dass Nadine Krause als einzigster RM-Spielerin wirklich zugetraut wurde, die Halbposition zu decken. Wohlbold (RM) wie auch Lörper (RM) wurde in der Abwehr wohl nur die Außenposition zugetraut, während Augsburg (LA) dafür die Halbposition übernahm. Daraus folgte, dass Langkeit bei guter eigener Leistung, dass Feld wegen Krauses schlechter Leistungen räumen musste. Augsburg auf LA hingegen zeigte große Schwächen im Angriff beim Torabschluß in die lange Ecke. Hinter diesen Zusammenhängen muss sich das Trainerteam hinterfragen, ob nicht besser kombinierbares Personal zur WM vorhanden gewesen wäre. Auch ein konsequenter Angriff/Abwehrwechsel bei naher Bank wurde nicht genutzt. 


statistische Daten alle von www.ihf.info


Mittwoch, 14. September 2011

Ein halbes Spielfeld für den HSV / 5:1ggRL der Füchse Berlin

Zum Spitzenspiel der HBL (Füchse Berlin-HSV Hamburg) gelang es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson mit einer 5:1ggRL-Abwehrvariante die komplette linke Angriffsseite des Meisters aus Hamburg lahmzulegen. Erst nach 56min gelang es Hamburg erstmals einen Positionsangriff über die linke Seite mit Torerfolg abzuschließen. Sigurdsson fand mit seiner 5:1ggRL-Abwehrvariante ein System welches genau auf die Schwächen des Hamburger Positionsangriff zugeschnitten war. Aus meiner Sicht waren diese:

-EINSEITIGKEIT: Die entscheidende Initiative des Hamburger Spiels geht häufig über RL (Hens/Lackovic). Beide Spieler benötigen allerdings relative große Anlaufwege bzw. viel Schwung um in ihre 1g1-Aktionen oder Würfe zu kommen. Durch den vorgezogenen Abwehrspieler Berlins wurden die Anlaufwege fast immer abgeschnitten und für ein 1g1 war die Entfernung zum Tor meist zu groß.

-FEHLENDE WECHSELMÖGLICHKEITEN / FEHLENDER WECHSELWILLE: Michael Kraus (RM) und Oscar Carlen (RR) waren beide zum Spiel verletzt und nicht einsatzfähig. Durch die vorgezogene Deckung auf RL waren Duvnjak (RM) und Lijewski (RR) über die ganze Partie unter extrem hohem Handlungsdruck. Die fehlenden Wechselmöglichkeiten, bzw. der fehlende Wechselwille Per Carlens (Beispiel: Gille für Duvnjak auf RM) führte aus meiner Sicht zu einer zu frühen Ermüdung von Duvnjak und Lijewski. Sirgrudsson hingegen beugte einem Leistungsabfall seiner Spieler in der Endphase durch frühe und gezielte Wechsel vor.


Hier einige Bilder der Abwehr:

Ball auf RL , KM auf ballferner Seite

Ball auf RL, KM auf ballnaher Seite

Ball auf RR (VR hat nach innen eingeschoben)

leeres Kreuzen von RM mit RL, VR begleitet dieses und wird zu VM



Torgrafiken: Positionsangriff Hamburg

Das Ergebnis dieser Abwehr lässt sich sehr schön in den von mir erstellten Wurfpositionengrafiken erkennen: Die grünen Punkte stellen jeweils ein geworfenes Tor im Positionsangriff von Hamburg inklusive 7m da. Nicht mitgezählt habe ich alle Tore aus Tempogegenstößen (1./2./3. Welle). 


1. Halbzeit: 0 Tore über die linke Angriffsseite im Positionsangriff von Hamburg



2: Hablzeit: 1 Tor über die linke Angriffsseite im Positionsangriff von Hamburg



gesamtes Spiel: 1 Tor über die linkes Angriffseite im Positionsangriff von Hamburg

Montag, 5. September 2011

Die flexible Abwehr des Junioren-Weltmeisters

Deutschland ist Junioren-Weltmeister. Trainer der Mannschaft war Martin Heuberger. Heuberger hat mittlerweile die Nachfolge von Heiner Brand als Männer-Nationaltrainer angetreten. Ein Grund mehr einen Blick auf die Abwehrtaktik des Weltmeisters im Finale zu schauen.

Den hochgehandelten Dänen gelangen im Finale nur 20 Tore. Neben einer überragenden Torhüterleistung von Nils Dresrüsse lag der Hauptgrund hierfür in einer unglaublich flexiblen Abwehr.Während Heiner Brand  bei den Männern in den letzten Jahren auf eine klassische 6:0 Abwehrformation gesetzt hatte, bestachen unsere Junioren vor allem durch einen fließenden Wechsel von Abwehrformationen. Diese waren sehr geschickt an das jeweilige Angriffsverhalten der Dänen angepasst. Eine 6:0 Abwehr war nur noch in der Grundaufstellung, wenn der Gegner keinen Druck machte, zu erkennen. Das Spiel ist weiterhin auf www.laola1.tv kostenlos zu sehen. Hier einige farblich markierte Bildausschnitte der verschiedenen Abwehrformationen:


6:0 (Grundaufstellung / Gegner macht keinen Druck)


3:2:1 (nach leerem Wechsel von RM mit RL)


4:2 (nach Wechsel von RM mit RR)


5:1ggRL (wenn RM ohne Druck zum Tor einen Passversuch auf RL starten möchte)


3:2+1 (nach Einlaufen von RA)


Unterzahlabwehr

Dienstag, 5. Juli 2011

Christian Zeitz Interview

Im Zebra Journal ist aktuell ein sehr interessantes Interview mit dem derzeit besten deutschen Rückraumspieler Christian Zeitz. Darin gibt er auch kurz Einblicke in die Arbeitsweise von Noka Serdarusic und Alfred Gislason.

Christian Zeitz Interview / Zebra Journal

Sonntag, 5. Juni 2011

B-Lizenz Lehrprobe / Gegenstossabwehr


Hier ein kleiner Ausschnitt meiner erfolgreichen B-Lizenz Lehrprobe vom 24.09.2010.

Thema: Gegenstoß – Abwehr / Verbesserung des
Umschaltens von Angriff auf Abwehr (in der 4:4 Situation)

Wer die ganze Lehrprobe haben möchte: Email an meyer.daniel/////a/////email.de