Donnerstag, 11. April 2013

Gastbeitrag von Dirk Mathis



Es ist immer gut, die Spiele aus unterschiedlichen Sichtweisen zu beleuchten und zu analysieren. Eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Angriffe mit den dazugehörigen Auslösehandlungen ist aus meiner Sicht sehr interessant, auch bzgl. der Ausbildungsinhalte der einzelnen Landesverbände. Bei dem analysierten Ländervergleich kam meine Mannschaft bei der Hauptthese „sind Übergänge das Hauptangriffsmittel“  zu einer positiven Einschätzung. Den Grund sehe ich darin, dass die einzelnen Kader in der Saarland internen Ausbildungsstruktur eine hohe Trainingshäufigkeit aufweisen, also Grundsätzen ähnlich einer „Vereinsmannschaft“ unterliegen. In der Ausbildungsphilosophie des HVS sollen die Spieler eine bestmögliche individuelle Ausbildung erfahren. Die für die erfolgreiche Zweikampfführung notwendigen Rahmenbedingungen werden durch eine fundierte athletische Ausbildung unterstützt und die Spieler sollen in diesem Bereich ihre Stärken weiterentwickeln. Ein zweiter zentraler Punkt der Ausbildung ist aus meiner Sicht, Nachwuchsspieler „spielfähig“ zu machen. Dies geschieht in der Förderstruktur meiner Kader durch das gezielte Einsetzen von gruppentaktischen Maßnahmen. Wichtig ist dabei, dass die Spieler den Sinn von Auslösehandlungen verstehen und im Angriff, wie in der Abwehr richtige Entscheidungen treffen, die sich logischerweise an dem Verhalten der Gegenspieler orientieren. Die Spieler sollen lernen, ihre Stärken in den richtigen Spielsituationen einzusetzen (kontrolliert und erweitert wird dies durch regelmäßiges Videofeedback).

Bei der zweiten aufgestellten These bzgl. der Effizienz ist beim Team Saar eine verbesserte Effizienz im 4:2 (43%)  im Vergleich zum 3:3 Angriff (50%) zu erkennen. Die immer wiederkehrenden Auslösehandlungen bringen meine, im Bundesdurchschnitt eher „klein“ gewachsenen Spieler in vielzählige Entscheidungssituationen, die sie gut und variabel lösen und zu Torerfolgen umsetzen.

Meine Meinung ist, dass die Spieler in dieser Altersstufe ein Grundmuster an Auslösehandlungen und die entsprechenden Entscheidungsmöglichkeiten kennen sollten. Nach gespieltem Übergang sollen sie ihre individuellen Stärken ins Spiel einbringen.
Direktes Übergehen ohne Auslösehandlung, z.B. nach einem Gegentor, oder das Verweilen im 4:2 System, z.B. nach einem Freiwurf halte ich für bedenklich, da dann nicht situationsgerechte Verhaltensweisen auftreten.

Zur letzten abschließend aufgestellten These ob das „stereotype Abwehrspiel“ flexibler agieren sollte,  möchte ich anmerken, dass es Lösungsmöglichkeiten für die Abwehrspieler gibt. Zum einen kann in der gespielten 3:2:1 Abwehrvariante viel Druck auf den ballführenden Spieler ausgeübt werden und zum anderen müssen die Außenabwehrspieler mehr antizipatives Spiel anwenden und sich aktiv im Abwehrverband einbringen.

Generell finde ich, dass flexibles und situationsangepasstes Abwehrspiel zeitgemäß ist und sich die Abwehr, je nach Situation, die der Angriff wählt, flexibel reagierend zeigen sollte.


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